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    Waehrend einiger Hoehlenforschungsprojekte hatte ich das grosse glueck drei Hoehlen in Belize zu tauchen.


    Die Giant cave unter Caya Caulker mit um die 30 meter tiefe, der eingang ist am Fussballfeld und hat eine enge veraengung.


    Die von partner Terrence Tysall und mir defundene Dill Cave im Blue Hole ( 123 meter in der mitte ) von Belize mit eingang auf 60 meter und der Hoehle selbst auf 35 meter. Dort hat es einige grosse Schildkroetenskelette.


    Die Abyss Hoehle auf dem Lighthouse Reef Atoll mit 150 metern tiefe direkt gelegen vor dem Resort.


    DIE 1997 CAMBRIAN FOUNDATION BLUE HOLE EXPEDITION
    1. JUNI - 14. JUNI 1997
    Ein Erlebnisbericht
    von ANDREAS W. MATTHES ( MATT )


    Ein Jaques Cousteau Fan von Jugend an, viele Sonntage vor dem Fernseher verbringend, die Luftaufnahmen der Calypso noch vor Augen wie das Forschungsschiff in das Great Blue Hole von Belize einläuft. Mehr als ein Jahrzehnt habe ich geträumt von diesem dunkelblauen kreisrunden Loch in einem Tropischen Atoll. Im November 1995, nach meinem erfolgreichen Abschluß des Trimix Kurses mit Terrence Tysall aus Orlando, Florida als meinem Tauchlehrer wurde ich eingeladen um das Blue Hole zu betauchen, um herauszufinden wie tief das Blue Hole wirklich ist und um meine Träume und die meiner Tauchpartner wahr werden zu lassen. Erreichte Tauchtiefe im November ‘95, 123 Meter in der Mitte des Blue hole.
    Ein ein halb Jahre später, am ersten Juni 1997 warte ich auf dem Internationalen Flughafen von Belize City auf die Ankunft der Expedition Mitglieder der ‘97 Cambrian Foundation Blue Hole Expedition. Mit von der Partie sind drei Doktoren für Geologie, darunter Dr. Robert Dill der mit dem Cousteau Team 1972 das Blue Hole erforscht hat und Bodenproben analysierte um das bis heute immer noch unbekannte alter des Blue Hole zu bestimmen. Zwei Ärzte sind mit im Team, einer wird Untersuchungen anstellen welche art von Bakterien in Sauerstoffreichen Lungenautomaten auftreten, Dr. med. Pitkin aus England wird uns vor jedem Mischgastauchgang untersuchen und nach jedem Tauchgang Dopplertests durchführen um gegebenenfalls auftretende Stickstoff- oder Heliumblasen im Blutstrom zu dokumentieren. Ein zwei Personen Film Team ist mit dabei um Tieftauchgaenge und die Entnahme von Bodenproben zu dokumentieren , die Aufnahmen sollen zu einem späteren Zeitpunkt als Dokumentarfilme veröffentlicht werden. Ein Ingenieur für unsere transportable Gasmischanlage, Sicherheitstaucher, Mischgastaucher, Stahlflaschen und Ventile ( in Belize sind nur 12 Liter Alu Flaschen zu finden ), Berge von Tauchausrüstung, eine Gasboosterpumpe um die Gase aus den großen Flaschen in unsere Tauchflaschen zu drücken, Kameras mit dazugehörigen Unterwassergehäusen mit Zubehör und persönliches Gepäck werden langsam vom Zoll am Flughafen abgefertigt und zu einem riesigen Berg am Taxi stand aufgebaut. Mit der Taxi Kolonne geht es zum St.Georges Pier in Belize City, unterwegs holen wir noch den zur Dekompression benötigten Sauerstoff, und den zum Mischgastauchen benötigtes Helium bei der Firma Praxair ab. Die Gase wurden schon vor Monaten bestellt und warten schon auf uns ( bis auf 7 Helium Flaschen die noch nachgeliefert werden ). Das Boot für die überfahrt zum Light House Reef Ressort wartet schon um unser Gepäck zu verladen, die kleinen Flugzeuge der lokalen Fluggesellschaften können nicht alles Gepäck befördern, so gibt es eine nette sechs stündige Bootsüberfahrt mit Poppy unserm Kapitän durch die äußeren Cayes, den kleinen vorgelagerten Inseln die teil des zweitgrößten Barrier Reefs der Welt sind, Turneffe Island und dann endlich nach reichlich sonne und einer glatten überfahrt das Light House Reef.
    DER ERSTE TAG
    Wird mit dem reinigen der Tanks und Ventile verbracht um später reinen Sauerstoff in die Tanks füllen zu können, wir mischen nach dem Prinzip der Partialdruck Mischung, die mitgebrachten großen Stahlflaschen werden zu Doppelflaschen montiert. Das Light House Reef Ressort mit ihrem angegliederten Tauchladen hat über 100 12 ltr. Alu Flaschen von denen wir zirka 40 für die Nutzung von Sauerstoff reinigen und mit mitgebrachten „DIN“ Ventilen versorgen, die hier üblichen „yoke“ Ventile erscheinen uns nicht sicher genug für die art von Tauchen die wir durchführen werden. 12 Tanks werden zu Doppelflaschen umgebaut, versehen mit „DIN Manifolds“ die die Sicherheitstaucher benutzen werden. Am Abend trifft sich zum ersten mal das ganze Expeditions Team, alle Teilnehmer werden vorgestellt, die Hälfte der Teilnehmer kenne ich schon von vorhergegangenen Projekten, Aufgaben und ziele der Expedition werden erklärt. Den Geologen geht es um die Gesteinsproben Entnahme um das alter des Blue Hole zu bestimmen und seit wann die riesige Höhle geflutet ist und wie niedrig der Meeresspiegel zur letzten Eiszeit war. Die Ärzte werden Tests über die Sicherheit unserer Deko Software ( benutzt werden Proplanner und Adept ) anstellen und nach Bakterien in Sauerstoffreichen Atemgemisch Lungenautomaten suchen.
    Die beiden Bauer Kompressoren der Fuellstation laufen fast rund um die Uhr um unseren bedarf an Preßluft zu decken, das mischen der Atemgase für den nächsten Tag incl. Aller Ersatzflaschen zieht sich bis nach Mitternacht hin.
    DER ZWEITE TAG
    Fängt sehr früh an, wir verbringen einige Stunden damit die Flaschen und Ausrüstungen auf das Speed Boot zu verladen , Terrence und ich sind die ersten Taucher der diesjährigen Expedition die zurückkehren auf den Grund des Blue Hole. Mit an Bord sind das Film Team, Dr. Robert Dill und Dr. Tony Jones die beiden Geologen, unsere beiden Ärzte sind auch mit dabei, Dr. Pitkin wir direkt nach dem Tauchgang einen Dopplertest durchführen um festzustellen wie sicher unsere Tauchprofile sind die wir mit der Proplanner Deco Software berechnend haben. Bottom Mix ist 11/60 ( 11% o2; 60% He ), da wir vom vorletzten Jahr wissen das das Blue Hole in der Mitte 123 Meter tief ist. Dabei sind auch drei Sicherheitstaucher die in verschiedenen tiefen auf uns warten werden um helfend eingreifen zu können sollte uns aus unvorhergesehen gründen das Travelgas oder Dekogas knapp werden. Von Helium zurück auf Luft werden wir in einer tiefe von 66 Metern umschalten ( Lungenautomaten wechseln und somit von anderen mitgefuehrten Flaschen atmen ), erster deko stop mit Atemgas Luft ist in einer tiefe von 66 Metern, auf 30 Metern werden wir auf Nitrox 40% umsteigen um dann die sechs und drei Meter Dekostopps mit reinem Sauerstoff zu beenden. Mit drei Flaschen ( zwei 18 ltr. stahl und eine 8 ltr. stahl) auf dem Rücken und zwei weiteren 12 ltr. Alu Flaschen mit Atemluft und Nitrox 40% ( unser Sauerstoff wird in einer tiefe von neun Metern am Abtiegsseil befestigt für den späteren Gebrauch ), eine links und eine rechts warten wir bis alle Sicherheitstaucher im Wasser sind. Mit geschlossenen Augen und voller Ausrüstung lasse ich den Tauchgang vor meinem inneren Auge langsam ablaufen, alle Stops und Handsignale incl. Gas wechsel.
    Terrence schaut nach einer weile zu mir herüber, ein kurzes nicken mit dem Kopf, der Abtauchvorgang beginnt. Bis zu einer tiefe von 50 Metern ist das Wasser relativ warm, eine Sprungschicht frischt uns auf , die Sicht wird unglaublich gut so um die 40-50 Meter. Entlang der Suedwand streckt sich eine große Grotte mit sagenhaft großen Stalagtieten, bei 66 Meter tarieren wir uns neutral aus um den gaswechsel vorzunehmen. Das Heliumgemisch laesst sich leichter atmen durch die geringere Dichte und hört sich anders an, ein höherer Ton. Kurzes Handsignal und weiter geht es den nun dunkler werdenden Wasserschichten entgegen, das dunkelblau wird erst zum blaugrau dann zum schwarz. Auf 92 Meter treffen wir auf eine Schwefelwasserstoff Schicht in der die Sicht nur wenige Meter beträgt. Die Spule mit der Fuehrungsleine in einer Hand , die 50 Watt Lampe in der anderen sinken wir langsam durch die Schicht bis die Sicht wieder besser wird , so um die 30 Meter Sicht auf 115 Meter tiefe . Der Grund kommt in Sicht, braune Sedimente die sich zu einer art Düne geformt haben, direkt an der Lochkannte. Kurzer Partnercheck und mit Hilfe des Kompanten schwimmen wir in einer tiefe von knapp 120 Metern auf die Wand des Blue Hole zu. Wir schwimmen unter einen riesigen Überhang, ich komme mir so winzig vor in diesem riesigen Loch, kein direkter aufstieg zur Oberfläche ist möglich, der Fels sieht aus wie ein riesiger Schweizer Käse von weißer Farbe. Das Gestein erinnert mich sehr an die Höhlen in Mexiko die ich regelmäßig betauche. Nach 20 Minuten Laufzeit gebe ich das Auftauchsignal, leider konnten wir keine Stalagtieten oder Stalagmieten lokalisieren, worauf die Geologen so sehr gehofft hatten um das Rätsel des alters von dem Blue hole nun endlich zu lösen. Die Leine ist nun permanent installiert , an ihr entlang tauchen wir bis auf eine tiefe von 66 Meter auf um unseren gaswechsel zurück auf Atemluft durchzuführen, einer unserer Sicherheitstaucher wartet schon auf uns und erkundigt sich nach unserem Wohlergehen und Gas Verbrauch. Alles OK.
    Die Sicht ist unglaublich gut, in verschiedenen tiefen sind Taucher zu sehen, die riesigen Stalagtieten in einer tiefe von 50 Metern sind von immenser Größe, erst wenn ein Taucher direkt neben einer dieser riesigen Relikte aus grauer Vorzeit schwebt laesst sich die wahre Größe sehen, die Lochkannte ist auch aus dieser tiefe zu sehen sowie unser Boot an der Oberfläche. Die ersten Dekostops sind recht kurz, auf 30 Metern wechseln wir von Atemluft auf 40% Nitrox, die Stops werden länger und länger je flacher wir auftauchen. Auf sechs Metern tiefe wechseln wir auf reinen Sauerstoff um die Dekozeiten in erträglichem rahmen zu halten und die entsaetigung der Gewebe zu beschleunigen. Im warmen Sand liegend, kleine bunte Fische schwimmen um mich herum und betrachten mich neugierig, wahrscheinlich wundern sie sich was für ein Ungeheuer hier plötzlich aufgetaucht ist, lasse ich den Tauchgang noch einmal an mir vorbeiziehen und muß mir doch eingestehen wie dankbar ich doch sein muß um solche Tauchgaenge durchführen zu können. Menschen spazieren auf dem Mond, auf den höchsten Bergen der Welt, erforschen die Antarktis und die Urwälder der Erde. In Zeiten wo man glauben sollte das schon alles erforscht ist, das schon überall Menschen gewesen sind gibt es immer noch Orte wo wir die ersten sein können.
    Nach 3 ½ stunden ist es zeit aufzutauchen, der Rest der Expedition wartet schon mit einem kleinen Essen auf uns das ich jetzt auch dringend nötig habe, nicht zu vergessen viel Wasser trinken gegen die Dehydration. Kaum aus dem Nasstauchanzug heraus ist Dr. Pitkin auch schon zur stelle um einen Doppler Test durchzuführen. Nur minimale und nicht symptomatische Blasen sind im Herzen nach einer Kniebeuge zu hören, die Ergebnisse werden auf einem „DAT“ Rekorder gespeichert um später von Spezialisten in England ausgewertet zu werden. Auf der Rückfahrt zum Lighthouse Reef Ressort muß ich immer noch an den Tauchgang denken, das magische Blue Hole hat mich in seinen Bann geschlagen, die kommenden zwei Wochen Tauchen sehen vielversprechend aus. Die Abende sind mit der Vorbereitung für den nächsten Tag immer gut ausgefüllt. Gase mischen, Ausrüstung vorbereiten, Flaschen zum Pier befördern, leichte Reparaturen ausführen, Tauchprofile und Gas Volumen berechnen. Besprechungen mit den Geologen was am nächsten Tag erkundet werden soll und demnach die erforderten Atemgase und mengen zu berechnen, dem Ärzte Team die über stunden hinweg die Mischgastaucher beobachten und den Sicherheitstauchern die ihrerseits die erforderlichen Ersatzflaschen und Atemgasmixturen festlegen wechseln einander ab. In einer kleinen Gruppe wäre dieses unterfangen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Team work ist angesagt. Tieftaucher werden meist als Sicherheitstaucher am nächsten Tag eingesetzt um ein abgasen der Inertgase wenigstens etwas zu ermöglichen.
    DRITTER TAG
    Ich Tauche heute als Sicherheitstaucher für eine zweiköpfige Tieftauchgruppe die die Sedimente am Grund etwas genauer in Augenschein nehmen soll. Wie klein die Taucher aussehen in der tiefe, ich schwebe auf 65 Metern an der Wand die links und rechts im dunkelblau und unter mir im schwarz verschwindet. Die auftauchenden Tieftaucher sind so groß wie mein Daumenagel, so klar ist das Wasser. Als Sicherheitstaucher verbringe ich die gleiche Tauchzeit im Wasser wie die Tieftaucher , versorge das Tieftauchteam mit extra Flaschen mit den verschiedensten Gasen wenn benötigt, verteile Trinkwasser in Trinkflaschen für die Rehydrierung und unterhalte die Dekompremierenden Taucher um sie etwas von der Langeweile abzulenken die einen überkommen kann wenn Mensch stundenlang im Sand liegt und Dekompremiert. Kleine Fische drehen ihre kreise um ihren teil an der Unterhaltung beizutragen.
    VIERTER TAG
    Meine Aufgabe ist es heute als standby Sicherheitstaucher anwesend zu sein, das Tieftauchteam besteht aus zwei Tauchern, John Chluski unserem Kameramann und Kyle Creamer. Ich habe somit etwas zeit mir die große Grotte an der Suedwand etwas genauer anzuschauen was für ein Anblick in dem klaren, Dunkelblauem Wasser. Die Grotte erstreckt sich in einer tiefe von 50-55 Metern auf einer Länge von etwa 100 Metern von Ost nach West, eine Vermessung der Grotte ist zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Ich führe zwei Tauchgaenge durch wobei ich die Tieftaucher bei ihren Gaswechseln bis in eine tiefe von 66 Metern begleite und Fotografiere . Bei dem zweiten Fototauchgang des Tages, Andrew wechselt mir den Film nach dem ersten 40 minuetigem Tauchgang der eine 25 minuetige Dekompression beinhaltet hat, tauche ich direkt vor zwei großen Schwarzspitzen Riffhaien ab. Die beiden Haie haben ungefähr meine größe und sind somit nicht all zu klein, sie drehen auch gleich einige kreise um mich herum sichtlich irritiert von dem einsamen Taucher . Die Riff Haie werden wie auch große Barakudas und Ammenhaie recht häufig von verschiedenen Tauchern gesichtet, speziell ein großer Barakuda an der Suedwand kommt immer wieder an um uns zu begutachten.
    FÜNFTER TAG
    Wieder zurück zum Grund bis auf 100 Meter für 25 min Grundzeit, unser Grundmix ist heute ein 10/52 Trimix. Diesmal Tauchen wir an der Nordwand wo das Blue Hole etwas flacher zu sein scheint um nach Stalagtieten zu suchen und Gesteinsproben zu entnehmen. Es wird immer deutlicher das wir wohl nicht fündig werden auf unserer suche nach den Speleothermen auf die unsere Geologen so scharf sind. Die Gesteinsprobe die ich in einer tiefe von 98 Metern entnehme stellt sich als teil einer alten Düne heraus, was die Geologen aber dann doch erfreut, jedem das seine. Die Video aufnahmen die mein Tauchpartner Terrence Tysall aufnimmt sind von ausgezeichneter Qualität, ich bin doch sehr erstaunt über die Aufnahmequalität der Digitalen Videokamera. So unglaublich scharfe Bilder mit hohem Kontrast. Während der stundenlangen Dekompression ist genügend zeit die gewonnenen Erkenntnisse auf u/w Schreibtafeln festzuhalten, kurze Unterhaltungen mit dem Partner über den Tauchgang selbst auszutauschen und Skizzen anzufertigen die dann die Sicherheitstaucher an die Oberfläche weitergeben wo sie von unseren „ Stein Menschen“ begutachtet werden. Das Expeditionsteam an sich hat sich gut aufeinander eingespielt, die einzelnen Aufgaben werden mit immer größerer Routine durchgeführt, die Aufregung der ersten Tage verfliegt langsam.
    Während der angenehmen Rückfahrt auf Frenchy’s Speedboot wird wie nach jedem Tauchgang ein debriefing durchgeführt um stärke- und schwachstellen in der Durchführung der Tauchgaenge aufzudecken und für spätere Tauchgaenge in der Planung zu verwenden, unsere Tauchgaenge perfekter zu machen. Am Abend, nach dem hervorragenden Abendessen mit dem Rest des Teams sehen wir uns die vielversprechenden Video aufnahmen an, die ersten Qualität’s Bilder vom Grunde des Blue Hole, aufgenommen mit einer Digitalen Videokamera von freischwimmenden Tauchern.
    Sechster Tag
    Zurück zum Grund des Blue Hole, auf 116 Meter tiefe sollen wir Video aufnahmen machen um die Geologie, die Gesteinsformationen zu dokumentieren. Nach einer 15 minuetigen Grundzeit entlang der Boden/Wandkannte, wir sind immer noch dabei nach tiefen Stalagtieten und Stalagmieten zu suchen. Während des langsamen Auftauchvorganges nehmen wir die sich abwechselnden Gesteinslagen und Formationen auf, die Geologen vermuten das sich die Stalagtieten und Stalagmieten schon vor einiger zeit im Salzwasser aufgelöst haben, wenn sie denn überhaupt vorhanden waren. Während wir am Grund der Suedwand Tauchen und die Aufnahmen der Gesteinsschichten durchführen hat ein zweites Tauchteam einen Eingang zu einer Unterwasserhöhle an der Westwand des Blue Hole entdeckt.
    Der Eingang ist auf einer tiefe von 60 Metern. Direkt nach dem Auftauchen von dem langen Tieftauchgang wird aufgrund der guten Nachrichten beschlossen das Terrence und ich diese Höhle morgen erforschen werden und wenn möglich eine permanente Fuehrungsleine zu installieren die es uns ermöglichen soll die Höhle zu vermessen und eine Karte zu erstellen. Der Ausblick auf eine mögliche Unterwassrhoehle laesst unsere Herzen höher schlagen, ist das Blue Hole mit einer anderen noch nicht entdeckten Höhle verbunden oder gar mit dem Aussenriff ? Fragen über Fragen die genug Gesprächsstoff für Tage liefert.
    SIEBTER TAG
    Der Eingang zur Unterwasserhoehle ist kaum auszumachen, unter einem Vorsprung an der Westwand ist ein kleines Loch auf 62 Metern, gerade groß genug um einen Taucher mit Doppelflaschen und einer Extraflasche passieren zu lassen. Ein Kamin der senkrecht nach oben führt und in einer Kammer mit zirka 15 Meter Durchmesser auf 42 Metern tiefe endet. Direkt vor mir im absoluten dunkel, nur von unseren starken Lampen erleuchtet liegt ein großer Schildkrötenschädel, ich gebe Terrence ein Lichtsignal und er zeigt mir ein großes zirka zwei Meter langes vollständig erhaltenes Schildkrötenskelett. Im lauf der Erkundung dieses Höhlensystems finden wir fünf solcher Skelette. Das Wasser in der Höhle ist so klar das es nicht zu sehen ist, feine braune Sedimente die am Boden liegen können dies schnell ändern wenn nicht die angebrachte Vorsicht und Technik für das Hoehlentauchen verwendet wird. Langsam stoßen wir in die Höhle vor, Terry legt die Fuehrungsleine, unsere Lichtkegel erhellen die kleinen Gänge die seit Jahrtausenden kein Licht gesehen haben. Die Höhle ist mit vielen Stalagtieten und Stalagmieten dekoriert, die Geologen werden sich freuen. In kleinen Nischen sind Dutzende von roten Schrimps, große Langusten beäugeln uns, der Boden ist übersähet mit Tausenden von Krabbengehäusen, alles in einem beige/braunton.
    Das einzige Geräusch sind unsere Blasen die sich an der Höhlendecke sammeln um dann durch kleine Risse und Spalten bis an die Oberfläche zu sickern. Die Hoehlenpassage ist um die 85 Meter lang mit zwei Abzweigungen die evtl. noch weiterführen, die Höhe von der Decke bis zum Boden beträgt zwischen 40-150 cm. Unser Luftvorrat neigt sich dem Umkehrdruck zu, ein drittel der Luft wird in die Höhle hinein verbraucht, das zweite drittel für den Rückweg, das letzte drittel steht als Reserve zur Verfügung. Nach 45 Minuten verlassen wir diese schöne Welt, nicht ohne die nun permanente Leine vermessen zu haben um noch am gleichen Abend eine Karte zeichnen zu können. Nach einer ausgedehnten Dekompression Tauchen wir grinsend auf und beschließen das wir zurückkehren müssen um das alles auf Video aufzunehmen für die geplante Dokumentation. Als wir, wie jeden Abend die Aufnahmen des Tages dem Rest des Teams vorführen sind die Geologen kaum zu halten, wir müssen dort auch Proben entnehmen. Gesagt, getan.
    ACHTER TAG
    Während ein vierköpfiges Tieftauchteam Sedimentproben in der Mitte des Blue Hole nimmt kehren wir zurück zu der phantastisch dekorierten Höhle mit dem Auftrag Fernsehreife Aufnahmen von der Höhle selbst, dem Höhlentaucher in dem fall von mir und der Probenentnahme aufzunehmen. Vor der Expedition sind Vertreter der Cambrian Foundation und der leitende Geologe Dr. Robert Dill bei dem Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei vorstellig geworden um Genehmigungen für die Entnahme von Bodenproben und deren Ausfuhr zu den Vorschungslabors in den USA einzuholen. Teile der Hoehlen-passagen sind so klein das das Unterwassergehäuse der Video Kamera gerade so hindurch paßt. Auf dem weg in die Höhle ist das Wasser sehr klar wir Tauchen sehr langsam um eine Berührung mit den Sedimenten zu vermeiden. Auf dem Rückweg entnehme ich die Proben in einer Entfernung von ca. 40 Metern vom Eingang der Höhle entfernt, einen Stalagtieten und den dazu passenden Stalagmieten in einer tiefe von 40 Metern von dem sich die Wissenschaftler erhoffen das alter des Blue Hole bestimmen zu können. Die Grundzeit in der Höhle selbst auf 40 Metern ist 50 min. Um zurück an die Oberfläche zu gelangen müssen wir erst durch den Kamin bis auf knapp 60 Meter abtauchen, der schwere Sack mit den Gesteinsproben fest an meiner Ausrüstung verankert. Während ich im Sand liege und Dekompremiere läuft mir in meinem inneren Auge noch einmal der Tauchgang ab, wie schön doch die Natur sein kann. Die Schildkröten werden sich in dem Höhlensystem verirrt haben und haben in der totalen Dunkelheit einer Höhle den Ausgang nicht mehr gefunden, es geht halt nichts über eine gute Hoehlentauchausbildung. Wie jeden Abend zeigen wir unsere Video aufnahmen dem Rest des Teams sowie den Gästen des Ressorts die sich zu dem Zeitpunkt der Expedition im Lighthouse Reef Ressort aufhalten. Der Streifen ist ein voller Erfolg, auch die Geologen sind glücklich über die eingebrachten Gesteinsproben. Rund um ein Erfolg.
    NEUNTER TAG
    Die Höhle laesst uns nicht los, mit Dr. Pitkin der auch ein versierter Hoehlentaucher ist bin ich auf der suche nach weiteren Höhlenpassagen, werde aber nur bedingt fündig. Zwei Passagen eine am äußersten ende des Systems, die andere im letzten drittel mit einer Länge von je 15 Metern die vermessen werden um sie später auf der schon erstellten Karte hinzuzufügen. Kurz vor dem verlassen der Höhle entdeckt Dr. Pitkin noch eine Kammer über der Haupteingangskammer in einer tiefe von 33 Metern wo wir das fünfte Schildkröten Skelett finden. Die Höhle scheint noch weiter in flachere Gesteinslagen zu führen, jedoch durch einen sehr engen Durchgang der nur mit spezieller Ausrüstung und Technik überwunden werden kann, nichts für unsere Doppeltanks. Unsere Luft ist am Umkehrdruck angelangt, mit ausreichend Luftreserven Tauchen wir durch den Kamin und dann der Oberfläche entgegen, mit noch knapp zwei Stunden Dekompression noch vor uns eine gute Sache.
    ZEHNTER TAG
    Andy Stockbridge, Mike Armstrong und ich unternehmen einen Abstecher in eine fast noch unerforschte Unterwasserhöhle am Nordrand des Light House Reef Atolls genannt die Abyss. Der Eingang liegt auf einer tiefe von 54 Metern an der westlichen Aussenriffwand des Atolls, ein schmaler Spalt der in eine Kamin führt öffnet sich auf einer tiefe von 63 Metern zu einem schwarzen Uferlosen, wandlosen Schlund. Der Name Abyss kommt nicht von irgendwo. Mit Mike und Andy haben wir die Aufgabe bekommen auf einer tiefe von 69 Metern eine Gesteinsprobe zu entnehmen. In einer Nische an der Wand dieses gefluteten Abgrundes hängen drei Stalagtieten von denen ich den kleinsten entnehmen soll. In einer tiefe von 69 Metern einen Hammer zu schwingen, einen Meißel zu treffen und die Gesteinsprobe nicht in den Abgrund fallen zu lassen erfordert etwas Konzentration und Koordination. Auf unseren dekompression Komputern ticken die Dekominuten so schnell wie die zahlen an einer Zapfsäule bei der Tankstelle um die nächste ecke. Es tut mir schon etwas weh diese Jahrtausend alten Ablagerungen abzuschlagen, nur gut das es für einen guten Zweck ist. Noch eine runde gedreht an der Decke dieses riesigen Lochs mit Deckel laesst mir bewußt werden wie riesig es ist, ich kann keinen Boden entdecken. Dr. Pitkin ist hier vor einigen tagen bis auf eine tiefe von 95 Meter getaucht und hat keinen Grund gesehen. Auch jetzt sehe ich keine Wände, sie verschwinden im schwarz des Licht verschluckenden Abgrundes, der Abyss. Ich bin nur froh das ich unabhängige Doppelblasen als Tariermittel benutze, nur einen kurzen Gedanken verschwende ich daran was wohl passieren würde wenn ich nur ein Tarierblase hätte und diese versagen würde. Die Dekompression ab einer tiefe von 12 Metern wird freihaengend, mit dem Ankerseil als Orientierung vorgenommen. Wehmütig denke ich an das Blue Hole zurück wo wir auf dem warmen Sand am Rande des Abgrundes liegend Dekompremieren konnten. Hier ist Konzentration gefragt um unsere tiefen so genau wie möglich einzuhalten.




    gruss
    mattmexico