Island und Sten Trans

  • Moin (wie man bei uns sagt),


    ich erlaube mir (mal wieder) einen Bericht aus unserer nordischen Wracktauchbutze zu kopieren, ich hoffe, niemand hat etwas dagegen.


    Tim


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    Hallo,


    Rainer möge es mir verzeihen aber ich möchte auch noch einen Bericht von dieser großartigen Tour schreiben, nachdem ich jetzt die Videos geschnitten und hochgeladen habe, geht es also ans Schreiben.


    Das Wetter war schon seit Tagen gut und die Vorhersage stabil. Mir war zwar von der Regierung nur ein Tag eingeräumt worden, doch es war tagelang klar, dass es ein perfekter Tag werden würde. Der Plan, die Sten Trans zu besuchen war schon lange auf dem Tisch. Von Gelting Mole aus immerhin 23 Meilen. Als sich 0-1 Bft die ganze Woche über hielten und auch noch bis einen Tag nach unserem Termin anhalten sollte keimte in mir ein Gedanke: Jetzt wollen wir es mal wirklich wissen, denn das Wetter wird perfekt sein.


    Ich stürzte mich also auf die Seekarten.


    VS54? Hmmmm das Wrack hatte ja hervorragende Kritiken bekommen aber über 50 Meilen eine Richtung? Übertrieben.


    Dr. Eichelbaum? Hmmm 56 Meilen ein Richtung, sogar noch weiter...


    Was liegt denn am südlichen Ausgang vom Großen Belt? M36 – Naja liegt kopfüber. Vielleicht nicht so toll. Tromp? OK aber deswegen ganz da rumgurken? Island. Hmmmmmm – Island!


    Ich kam um Punkt 11 Uhr nach einem gestressten Morgen am Boot an. Zille, tauchsieder, Seenelke und SüdLicht waren bereits mit dem Verladen fertig, DerOstseetaucher fehlte noch. Ich verkündete, dass der perfekte Tag da wäre und man eigentlich was besonderes machen müsste. Außerdem müsste man mal herausfinden, was die Spirit wirklich kann. Man könnte ja zur Island fahren.
    Kurz konnte ich mich über große Augen bei denen freuen, die die Information schnell einordnen konnten, dann: Ach ja – das wär natürlich was nettes. Also beschlossen.


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    Beim einräumen stellte ich zunächst fest, dass ich meine Automaten vergessen hatte, Depp! Aber wozu wohnt man am Wasser? Dann würden wir eben zunächst in Norgaardholz vorbeifahren.


    Um 1120 Uhr waren wir dann endlich vollständig. Wir verluden das restliche Material und eine Spritreserve, da ich von 1,5 – 2l auf die Meile ausgehen musste. Es war spät im Jahr, das Unterwasserschiff der Spirit nicht mehr das sauberste und mit sechs Tauchern und Ausrüstung für zwei Tauchgänge würde das Boot schwer sein.


    Punkt 1200 Uhr verließen wir den Strand von Norgaardholz mit meinen Automaten an Bord. Wir überquerten bei perfektem Wetter den Kalkgrund, ließen die bekannten Wracks Sophie und Peter Maria links liegen, die Tjalk Falshöft rechts und stellten eine halbwegs spritsparende Geschwindigkeit von 24 Knoten ein und bereiteten uns auf eine ungewöhnlich lange Anfahrtszeit von ca. 1,5 Stunden für gute 35 Seemeilen vor.
    Da es noch recht diesig war hatten wir bald jegliche Landsicht verloren und steuerten Stur unseren Ost-Süd-Ost-Kurs in Richtung Dovns Klint, der Südspitze Langelands. Unterwegs passierten wir hier und da einen Segler. Südlich von Ärö gab ich das Steuer an Zille und ging nach vorne, um mein Gerät zu montieren. Ingo schlief im Bug, Ute und Jürgen sonnten sich auf dem Motorkasten und Rainer und Zille navigierten sicher geradeaus. Nach einer guten Stunde umfuhren wir Dovns Klints in repektvollem Abstand aufgrund der großen Steine und bogen nach Norden in den Großen Belt ein. Um 1330 erreichten wir die Position der Island. Darüber lagen zwei kleine, dänische RIBs (ohne Alpha). Wir gingen zunächst längsseits und stellten die Maschine ab.


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    „Hello, are there any divers in the water?“
    „No but I will be gone in a minute.“
    „So I can set my own anchor?“
    „Yes no problem.“


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    Ich bedankte mich, umfuhr die Dänen und peilte meinerseits das Wrack ein. Das Echo auf dem SideImaging versprach schon viel gutes! Kurze Zeit später warf ich unseren Anker und merkte sofort, wie einerseits die Strömung am Boot zerrte, aber andererseits der Anker bombenfest saß. Das Gefühl kannte ich schon. Volltreffer, Anker im Wrack. OK, nicht die Perfektion in Reinform, doch für unsere Zwecke an diesem Tag günstig.


    Die Strömung betrug ca. 2,5 Knoten. Wir bereiteten uns daher auf einen etwas anspruchsvolleren Tauchgang vor. Strömungsleinen wurden ausgebracht und eine Wurfleine bereitgelegt, außerdem die Ankerboje, falls man das Boot vom Anker lösen müsste, um seine Taucher einzusammeln. Die Sicht hingegen war schon von oben her grandios. Nun waren noch Taucher der Dänen im Wasser und schienen deren Anker loszuwerfen. Kurz darauf kam neben uns eine Boje hoch zog schnell vorbei und dann waren die beiden Dänen auch schon verschwunden.


    Wir einigten uns auf Schichttauchen, um auf jeden Fall eine handlungsfähige Crew an Bord zu behalten. Ingo und ich gingen voran, dicht gefolgt von Ute und Jürgen. Zille und Rainer blieben an Bord und sollten nach meiner Rückkehr los.


    Ich nahm also die Strömunsleine in die Hand und ließ mich fallen. Schnell hing ich in der Leine wie eine Fahne im Wind, doch das Vorwärtsziehen zum Ankerseil ging ganz gut. Kurzes Warten auf Ingo und dann nichts wie hinab. Schon in wenigen Metern Tiefe konnten wir das Wrack erkennen.


    Die Island ist ein Fischtrawler, der im zweiten Weltkrieg zu einem Vorpostenboot umfunktioniert wurde um im südlichen Großen Belt einer Ankertaumine zum Opfer fiel. Der Bug wurde dabei regelrecht zerfetzt. Die ursprüngliche Länge betrug ca. 44m und der Rest des Bootes ist gut erhalten.


    Wir näherten und nun über den demolierten Bug dem Wrack, das mit dem Heck perfekt in Richtung der Strömung zu liegen schien. Der Anker lag Backbord neben den Aufbauten sicher verkeilt und so konnten wir uns Hand über Hand hinunter zum Wrack ziehen. Etwa zwei Meter über dem Deck ließen wir los und eilten hinunter aufs Deck, wo wir sofort Strömungsschatten durch die Aufbauten hatten. Nach prüfenden Blicken in einige Löcher ging es zu den Aufbauten, die man gut durchtauchen kann. Es war taghell am Wrack, so hell, dass ich später feststellen würde, dass mein gedrehtes Video überbelichtet ist.
    Nach Untersuchung der Aufbauten ging es unter das ausladende Heck, wo noch die große, vierblättrige Schiffsschraube an ihrem Platz sitzt. Außer dem Blick durch die Aufbauten ist dieses sicher mit das schönste Motiv am Wrack. Von hier aus ging es Backbord nach vorne zum Bug. Hiervon ist wahrlich nicht mehr viel zu erkennen. Das Schiff endet in einem Gewirr aus Platten und gibt einen furchteinflössenden Eindruck von der Zerstörungskraft der Mine. Wenn ich es richtig gedeutet habe, dann ist das Vorderdeck um ca. 90° nach Steuerbord abgeknickt. Die Neigung des Schiffes im allgemeinen ist ca. 20-30° nach Steuerbord.


    Auf dem Rückweg drehte ich mich um und schaute nach oben. Ich konnte gut erkennen, wir die Spirit mitsamt einer ordentlichen Bugwelle in der Strömung lag. Ich nahm an, ich wär so auf 5m und fing einfach mal mit meinem Sicherheitsstopp an. Nach gefühlten drei Minuten schaute ich dann mal wieder auf meinen Computer – Ups – 7,5m Tiefe. Ich konnte gemütlich zugucken, wie Zille oben aus dem Boot herunterschaute. Das Wasser war geradezu blau (man beachte die letzten Sekunden des Videos von der Island...)


    Youtube Video:
    http://www.youtube.com/watch?v=YJBL4fPExbA


    Nachdem wir wieder an Bord waren gingen Zille und Rainer hinab und begegneten Ute und Jürgen am Ankerseil. Ich muss sagen, der Tauchbetrieb wurde auch bei dieser Strömung souverän und ruhig abgewickelt. Ein kleines Kompliment an alle. Klein deswegen, weil wir ja zwar Strom aber dafür spiegelblankes Wasser hatten.


    Während das letzte Team bei der Island war einigten wir uns oben darauf, auf dem Rückweg tatsächlich bei der Sten Trans vorbeizuschauen. Der Umweg von 5 Meilen würde kaum ins Gewicht fallen. Nach Aufnahme aller Taucher wurde also der Anker gehoben und sich in einer gemütlichen Stunde Oberflächenpause zur Sten Trans verlegt. Hier war zunächst tatsächlich ein wenig Suchen angesagt, da die Kartenposition hier wirklich recht ungenau ist. Nach drei oder vier Minuten war das aber auch geklärt, denn das Wrack ist nun wirklich nicht zu übersehen. Schnell lagen wir wieder vor Anker und machten uns klar.


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    Die Sichtweiten hier waren nicht so karibisch wie an der Island aber 10m waren es wohl auch. Ich versuchte bereits von der Oberfläche das Wrack zu erkennen, ging aber nicht. Wracks sind eben meist ziemlich tarnfarben wenn sie ein paar Jahre da liegen. ;)


    Ingo verzichtete wegen dickem Schädel freiwillig auf den Tauchgang und so konnten wir fünf anderen uns gemeinsam in die Tiefe stürzen. Auf 10m landeten wir bereits auf dem stattlichen Rumpf der Sten Trans. Die Orientierung war zwar noch nicht ganz da, doch wir schwammen zunächst zum Heck, wo das stattliche Ruder im Wasser hängt und der Stumpf der Propellerwelle ist. Ich war von der Größe des Wracks begeistert, vor allem aufgrund der Sichtweiten. Hier konnte man sich mit fünf Mann tatsächlich am Wrack aus dem Weg gehen. Mein Trupp umrundete das Heck und näherte sich von hinten den Brückenaufbauten. Hier schaute ich in diverse Löcher und passierte dann die leeren Davits auf der Oberseite des seitlich ruhenden Wracks.


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    Über der Brücke ließ ich mich nach unten sinken und näherte mich dem charakteristischen Doppelmast. Ich stutzte kurz als sich das massive Saugrohr aus dem Halbdunkel schälte. Was ist dass denn jetzt – das gehört da nicht hin. Ein Wal? Nein, das Sauggeschirr, klar. Zille und Rainer kamen mir unter dem Doppelmast entgegen und ließen sich von oben in die Brücke fallen, was ich von außen filmte. Danach wurde kurz in die Technik unterhalb der Brücke begutachtet und sich dann auf den Weg nach vorne gemacht. Am Bug konnte ich vom vorderen Mast aus bestimmt 20-30m des Schiffes einsehen, von der Bugspitze bis zum Laderaum. Ein sehr beeindruckender Anblick, den das Video leider nur sehr eingeschränkt wiedergeben kann.


    Youtube Video:
    http://www.youtube.com/watch?v=Hc7raKd93p8


    Auf dem Rückweg konnte ich dann tatsächlich von der Oberfläche sehen, wie die Flaschen von Rainer und Zille sich über das Wrack arbeiteten. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht stieg ich wieder ein, nicht ohne Ingo, der mit den Beinen seitlich über den Bug baumelnd schlief, mit einem Schwall Ostseewasser zu wecken: „Du Schwein!“, schallte es von oben. ;)


    [Blockierte Grafik: http://www.bluespirit.de/pics/IMG_0475.jpg]


    Gegen 1830 Uhr hatten wir alle wieder an Bord und machten uns auf den Rückweg. Die Sonne stand vielleicht noch 10° über dem Horizont. Wir setzten also unseren Kurs auf einer Pastellfarben schimmernden Ostsee unter einem ebenso pastelligen Himmel nach Hause und machten uns mit 25 Knoten auf den Weg. Weit draußen vor der Schleimündung beschleunigten wir dann in Richtung 30 Knoten und passierten Falshöft um ca. 1900 Uhr. Innerhalb unserer Heimatwracks, der Tjalk und der R222 fühlten wir uns dann schon fast wieder zu Hause und machten schließlich gegen 1930 in Gelting Mole fest.


    [Blockierte Grafik: http://www.bluespirit.de/pics/IMG_0476.JPG]


    Den Tag hatten wir bis zum letzten ausgenutzt, inklusive einem fantastischen Sonnenuntergang auf See. Trotzdem waren nun alle im Stress, da wir unseren Endtermin doch wieder um 2 Stunden überzogen hatten. Mit einem zufriedenen Grinsen fuhren wir nach Hause. Ein unglaublicher Tag!


    Nach einer Saison mit dem neuen Boot können wir also sagen, es hat sich bewährt. Bei entsprechendem Wetter können wir nun Dinge tun, die früher nur auf Mehrtagesfahrten möglich waren. Es ist unglaublich, wie man den Respekt vor den Entfernungen auf See verlieren kann, wenn man in diesem Boliden sitzt und man nur 0-1 Windstärke hat. ;)


    Am Ende: Zwei wunderbare Tauchgänge bei perfekter Sicht für die Ostsee mit einem sehr gut eingespielten Team und einem Boot, das mich immer noch wieder begeistert.


    Für mich die beiden besten Tauchgänge dieses Jahres (bisher).


    Tim


    PS: Nochmal für die, die nicht wissen wo wir nun wirklich waren:
    [Blockierte Grafik: http://www.bluespirit.de/pics/ISLAND-STENTRANS.jpg]

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    Fördeschlosser / Bulliproller


    Hárbar r heiße ich, ich verheimliche selten meinen Namen.
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