Brage, Kieler Förde

  • Brage, Kieler Förde


    Wrack: Brage
    Position: 54°28.680`N 10°14.360`E
    Schiffstyp: Minenleger
    Lage: Kieler Förde, Nähe Kiel Leuchtturm
    Tiefe: Grund 19 m; Oberkante 15 m


    Die Brage wurde zum ersten Mal 1878 in der Seefahrtsgeschichte erwähnt. Sie wurde in Norwegen als "Kanonenbatterie 2. Klasse" gebaut. In den Jahren 1911 bis 1913 wurde das Schiff zum Minenleger umgebaut. Im zweiten Weltkrieg 1940 wurde sie an Deutschland übergeben.
    Wie sie allerdings an diesen Tauchplatz gekommen ist, ist rätselhaft und nirgends festgehalten.
    Das Wrack liegt im Ausgang der Kieler Förde in ca. 19 m Wassertiefe. Es ist stark zerstört. Nur der Bug und die Bordwand auf der Backbordseite sind noch gut erhalten.
    Das Wrack selbst ist nicht so interessant; kann gut in einem Tauchgang komplett umrundet werden und ist wegen der kleinen Lebewesen, die ich an der Ostsee so mag, und der Strandkrabben, wenn sie denn da sind, auf jeden Fall einen Tauchgang wert. =)


    Elke das abtauchende kleine Seepferdchen

  • Hallo Mariiie, :hello:


    zur Zeit sind noch keine Quallen in Sicht. ;) Die Sicht in der Ostsee immer unterschiedlich je nach Wind. 8)


    Elke das kleine abtauchende Seepferdchen

  • Ich selbst denke Sichtverhältnisse der Ostsee ist ein anderer Thread :wirr: und zur Zeit keine Quallen in Sicht, zumindest in Kiel, ist Aussage genug. :O


    Elke das kleine abtauchende Seepferdchen

  • Hallo Ostseefans,


    angeregt durch den Thread "Wracksektion" möchte ich hier mal einiges zum Wrack der Brage loswerden.
    Das erste mal habe ich die Brage vor ca. 5 Jahren betaucht. Mit dem Wissen im Hinterkopf ich tauche an einer 30m langen Kanonenbatterie bzw. Minenleger war ich irgendwie verwundert.
    Bei der relativ schlechten Sicht an diesem Platz, konnte ich was ich dort sah nicht mit den Beschreibungen die es über dieses Wrack in Büchern und Netz gibt in Einklang bringen.
    Nach dem Tauchgang hielt sich die Begeisterung in Grenzen und das Kapitel "Brage" war für mich bis dieses Jahr geschlossen.
    Im Frühjahr diesem Jahres fuhren wir dann das Wrack seit langem mal wieder an. Diesmal hatten wir wesentlich bessere Sicht und wir erkundeten die Reste eines Schiffes welche wirklich nicht zu den vorhandenen Beschreibungen passte. Es stehen auf ca. 40m Länge noch die beiden Bordwände. Bug und Heck sind leider nicht mehr vorhanden. Genauso verhält es sich mit Decks bzw. Aufbauten oder Innenräumen. Lediglich die Steuerbord und Backbord Bordwand sind im Abstand von ca. 20m erhalten. Eine Höhe hat das Ganze von ca 4-5m. Zwischen den Wänden also im inneren Teil stehen noch die gewaltigen Spanten und Querschotten. Im Umfeld dieser kompakten Wrackteile liegen eine Menge Trümmer und diverser Schrott. Auch ein paar Haufen mit Eisenerz sind dort zu finden. Das alles muss von einem riesigen Schiff stammen, und nicht von einer 30m langen Kanonenbatterie mit weniger als 600BRT.
    Nach dem Tauchgang waren wir uns einig, dies ist nicht die Brage von der im Netz bzw. in versch. Büchern die Rede ist.
    Ab diesem Tauchgang interessierte mich das Wrack brennend.
    Wieder zu Hause wurde dann auch Tante Google und einige Literatur bemüht.
    Nach einigem Suchen fand ich was wir schon vermutet hatten.
    Was dort am Ausgang der Kieler Förde auf 20m Wassertiefe liegt sind die Reste eines 133m langen Frachters mit dem Namen "Brage". Der Frachter wurde als Dampfschiff 1938 bei Nordseewerke Emden GmbH, mit Bau-Nr. 186 gebaut und hatte eine Verdrängung von 5954 BRT.
    Gesunken ist er am 6.5.1940 durch einen Luftminentreffer. Die Ladung wurde schon im Krieg geborgen (vermutlich Eisenerz) und der Dampfer selber wurde in der wilden Schrottfischerzeit nach dem Krieg teilweise geborgen. Das was die "Berger" übrig gelassen haben, habe ich oben beschrieben.
    Wie kommt es jetzt zu den unterschiedlichen Geschichten über das Wrack?
    Aufgefallen ist mir das in div. Beschreibungen die Rede von einer 595BRT grossen Kanonenbatterie ist. Da die Brage 5954 BRT hatte könnte sich hier schon mal im Laufe der Zeit ein Fehler eingeschlichen haben, der dann immer wieder übernommen wurde.
    Die Kanonenbatterie "Brage" gab es aber wirklich und sie ist vermutlich auch als Prise von den Norwegern in deutsche Hände gefallen. Was mit ihr geschah weiß ich leider nicht, aber ich bin mir sicher das vor dem Leuchtturm Kiel die Reste des Frachters "Brage" liegen.
    Wenn jemand noch mehr Infos hat, auch über das Verbleiben der vielbeschriebenen Kanonenbatterie "Brage", dann raus damit. Mich würde es interessieren.
    Alles in allem, ist es ein interessanter Tauchplatz an dem bei guter Sicht die Zeit wie im Flug vergeht. Es gibt viel zu sehen, aber man muss ein ein wenig Phantasie haben, um sich vorstellen zu können wie es dort mal aussah. Leider ist die Sicht an diesem Platz häufig schlecht, wie wir in diesem Jahr schon einige Male erfahren mussten. Mit etwas Glück gibts auch einige grosse Dorsche zu sehen und die großen Seenelken auf den höher gelegenen Wrackteilen sind für einige gute Fotos dankbare Motive.


    Viele Grüsse von der Ostsee,


    Rocco!

    ------FOERDESCHLOSSER-----


    „Das Meer ist alles. Es bedeckt sieben Zehntel der Erde. Sein Atem ist rein und gesund. Es ist eine immense Wüste, wo ein Mann nie alleine ist, in dem er fühlen kann, wie das Leben aller in ihm bebt. Das Meer ist nur ein Behälter für alle die ungeheuren, übernatürlichen Dinge, die darin existieren; es ist nicht nur Bewegung und Liebe; es ist die lebende Unendlichkeit.“ Jule Verne

  • Recht hat er...
    Hatte nach meinem letzten Tauchgang mit Rocco an der Brage, mal seine Annahmen gegoogelt und bin ua. auf folgende Seite gestoßen:


    Link: Schiffswrackliste


    Weitere Infos findet man auf der Homepage der Rederei Frigga unter dessen Flagge die Brage fuhr:


    Da heißt es z.B.:
    "Zwei Zweifach-Expansionsmaschinen mit Abdampfturbine von Rheinmetall AG, Werk Borsig, Berlin-Tegel. Bauwerft: Nordseewerke Emden GmbH, Emden mit Bau-Nr. 186. Abgeliefert am 05.02.1938 an die Seereedereei "Frigga" AG. Verlust am 06.05.1940 durch eine Mine in unmittelbarer Nähe des Feuerschiffs "Kiel". Interessanterweise kann die Ladung trotz des Krieges teilweise geborgen werden." Quelle: Seerederei Frigga

  • Die o.g. Aussagen stimmen meiner Meinung nicht so ganz.


    Bei meinen langjährigen Recherchen habe ich einen alten Herrn getroffen, der in der Nachkriegszeit erst als Taucher und danach als Eigner eines Schrottfischerfahrzeugs unterwegs war und jedemenge Altmetall damals zu Geld gemacht hat.
    Laut dessen Aussagen gab es zwei Fahrzeuge mit dem Namen Brage. Beide Fahrzeuge sanken so wie es der Zufall will, nicht weit voneinander entfernt. Der Frachter mit diesem Namen lag allerdings wenige Seemeilen nördlich des heutigen Kieler Leuchtturms und wurde komplett abgwrackt. Die Reste der kleineren "Brage" sollen südl. des Leuchtturms gesunken sein.

  • Hallo Peter,


    interessante Quelle die du da hast.
    Augenzeugen sind immer mehr wert als Ohrenzeugen. ;)
    Es wäre mal interessant zu wissen, was der Frachter Brage geladen hatte, da an dem Tauchplatz noch Eisenerz zu finden ist.
    An Hand der Ladung könnte man ja eine ziemlich sichere Aussage treffen ob dies nun der Frachter oder der Minenleger bzw. die Kanonenbatterie ist.
    Aufgrund der Grösse der noch vorhandenen Schiffsteile und der Schiffsbreite gehe ich aber davon aus, dass es ein Schiff mit mehr als 100m Länge gewesen sein muss.
    Denkbar wäre natürlich auch, dass wir von 2 unterschiedlichen Tauchplätzen sprechen. :wirr:
    Die im Anfangsthread von Elke angegebene Position (die scheinbar aus Stefan Baehr´s Buch übernommen wurde) stimmt aber so ungefähr mit meiner überein.
    Hast du vielleicht noch eine andere "Brage-Position" in petto? ?(


    Viele Grüsse Rocco!

    ------FOERDESCHLOSSER-----


    „Das Meer ist alles. Es bedeckt sieben Zehntel der Erde. Sein Atem ist rein und gesund. Es ist eine immense Wüste, wo ein Mann nie alleine ist, in dem er fühlen kann, wie das Leben aller in ihm bebt. Das Meer ist nur ein Behälter für alle die ungeheuren, übernatürlichen Dinge, die darin existieren; es ist nicht nur Bewegung und Liebe; es ist die lebende Unendlichkeit.“ Jule Verne

  • Nachedem ich von Rocco darauf aufmerksam gemacht wurde habe ich die Angaben überprüft und bin zu folgendem Ergebniss gekommen.
    Zur Brage habe ich nun folgende, für den einen oder anderen neue Erkenntnisse zusammengetragen.


    siehe Hier:


    http://www.bubblewatcher.de/bericht_Brage_46_Wracks.html