HMS Scylla, Whitsand Bay, Plymouth

  • Das Kriegsschiff HMS Scylla wurde am 27.3.2004 vor der Küste Cornwalls in der Whitsand Bay nach jahrelanger Vorbereitung als künstliches Riff versenkt. Das Schiff wurde vorab extra umweltgerecht präpariert und es wurde versucht, es auch als Tauchspot entsprechend zu gestalten.


    Wir haben im August 2004, bereits wenige Monate nach der Versenkung der Scylla einen Tauchgang machen können. Hier mein damaliger Bericht dazu:


    Ein Tauchgang an der HMS Scylla


    Um es gleich vorab in Erinnerung zu rufen: Die HMS Scylla ist ein Wrack, das nach vorheriger Präparation extra für Taucher versenkt wurde!


    Erreicht man per Tauchboot den Tauchplatz, fallen als Erstes die diversen Bojen ins Auge, die an und um die Scylla verstreut sind und das Tauchgebiet kennzeichnen. Am Bug, Mittschiffs und am Heck wurden jeweils große gelbe Bojen installiert, an denen die Taucher zum Abtauchen von ihren Booten abgesetzt werden können. Danach muss sich das Tauchschiff sofort aus dem Bereich über dem Wrack zurückziehen. Ein solches Verhalten ist durchaus angesagt, denn die Scylla ist schon jetzt ein beliebter Tauchplatz und wer möchte schon beim Auftauchen unter dem Propeller eines Tauchbootes landen. Trotz alledem ist das Setzen einer SMB (Taucherboje) obligatorisch, sofern man nicht an den gelben Bojen auftaucht.


    Trotz all dem Brimborium rund um das Wrack waren wir gespannt, was wir unter Wasser vorfinden würden. Mit unserer Tauchbasis Porthkerris Divers reisten wir per Katamaran an und waren in der glücklichen Lage, dass alle anderen Tauchgruppen gerade in der Abfahrt begriffen waren, so dass wir die Scylla mit unserer Gruppe (9 Taucher) für uns hatten. Also Buddy schnappen und ab ging's!


    Schon kurz nach Verlassen der Wasseroberfläche waren die ersten Teile der Scylla zu sehen. Abgetaucht an der Bugboje, ließen wir uns erst einmal an der Bordwand in Richtung Grund sinken, um uns bei Sichtweiten um 6-8 Meter einen Eindruck vom Schiff zu verschaffen. Das dabei direkt unter uns ein Kalmar vorüberzog, verschlechterte unsere Laune nicht wirklich.
    Nach dieser Inspektion begannen wir das Wrack von innen zu erkunden. An diversen Stellen wurden Löcher in die Stahlhaut der Scylla geschnitten, durch die ein Taucher zur Zeit bequem ins Wrackinnere tauchen kann. Allerdings nicht ohne vorab an gelben Warnschildern "Check your air", "No Wreckpenetration without further instruction" (oder so ähnlich) vorbei gekommen zu sein. Diese Schilder haben sicherlich ihre Berechtigung und sollten unbedingt von jedem beachtet werden, auch wenn das Wrack "nur" in einem Tiefenbereich von 8 - 25 Metern liegt.


    Das Wrack im Innenraum zu durchtauchen ist eigenartig. Durch die vielen Löcher in der Außenhaut ist bei den entsprechenden Sichtweiten (> 5 Meter) an den meisten Stellen irgendwo Tageslicht zu sehen. Die Sicht im Wrack war bei unserem Tauchgang so gut, dass man fast vergessen konnte unter Wasser zu sein und es sonderbar erschien, wenn beim "Wandeln durch die Gänge" plötzlich ein Fisch durch das Blickfeld schwamm.


    Durchtaucht man das Wrack im unteren Deck vom Bug zum Heck verlässt man es über den Helikopter-Hangar. Seine Größe sollte es möglich machen, dass er auch von weniger erfahrenen Tauchern betaucht werden kann. Ein Deck darüber sind wir Steuerbords die Gangway entlang wieder zum Bug zurück, um dort angekommen auch mal einen Blick vor das Wrack zu werfen. Eine große Schule "Bibs" (Franzosendorsche in Deutsch, soweit ich weiß) war der Lohn für diesen Versuch.
    Die dritte Tour am Wrack entlang zurück zum Heck, mit zwischenzeitlichem Besuch des Steuerstandes, beendete unseren Tauchgang.


    Für die wenigen Monate, die die Scylla bislang auf dem Grund der Whitsand Bay verbracht hat, ist schon recht viel Leben "an Bord". Besonders erstaunt war ich über die diversen Nacktschnecken, die in den verschiedensten Farbvarianten und Größen das Wrack bevölkern.


    Ein netter Tauchgang, der allerdings erst wieder einer Wiederholung bedarf, wenn die Scylla in den nächsten Jahren noch weiter von der Umwelt in Beschlag genommen worden ist.


    Beschreibung der Scylla auf Divesitedirectory
    Scylla auf Divesitedirectory


    Das Nationa Aquarium mit weiteren Details
    National Marine Aquarium - HMS Scylla


    Bericht zu "unserer" Tauchbasis in Porthkerris
    Basenbericht Porthkerris Divers

  • Ach ja, wenn man das so liest, ist es schade, dass das Versenken von Schiffen in Deutschland eigentlich unmöglich ist :(
    Dabei wären absichtlich geschaffene Wracks in zweierlei Hinsicht wünschenswert: als Tauchziele und imho noch wichtiger als Substrat für die vielzahligen Filtrierer.
    Zu letzterem Punkt eine kurze Erklärung: durch die Steinfischerei (kein Witz) sind sehr viele Findlinge aus der Ostsee verschwunden.
    Diese Steine waren Siedlungsgrund für Miesmuscheln, Anemonen, Seenelken u.ä.


    jm2p


    Mike

  • Hallo,
    ich habe die Scylla am 06.07.08 mit den "Looe-Divers" betaucht.
    Wie Mariiie schon so gut beschrieben hat, war es ein "netter" TG. Das Wrack ist schon sehr schön mit weißen Anemonen bewachsen. Mein pech war, dass mein englischer Buddy die "ach so tollen" Atomic Split-Fins an den Füssen hatte und in einem "sauberen" Flossenschlag durchs wrack "geflügt" ist. Auf dem Mitteldeck hab ich ihn an den Flossen gezogen und ihn hinten angestellt. Nach dem TG musste er beim "Pint Cider" verprechen, dass er den Frog-Kick übt !!!


    Danach haben wir noch einen Abstecher zur "James Eagan Liner" (ein Cargo-Liner, der im WWI durch einen unserer "grauen Wölfe" 9sm vor der Küste torpediert wurde und dann doch noch nahe der Küste versank)
    gemacht, dieses Wrack kann leider nicht mehr gut penetriert werden, ist aber sehr schön anzuschauen.
    Es lohnt nicht beim abgebrochenen Heck vorbei zuschauen.


    Alles in allem ein schöner Tauchtag mit den Looe-Divers, den ich gerne wiederholen werde.



    Servus..
    Paddy

    Gruß aus dem Großherzogtum Baden
    (z.Z. East London in South Africa)

  • Hey Paddy,


    vielen Dank für die Auffrischung meiner Erinnerungen. =) Du hast nicht zufälligerweise ein oder zwei Fotos gemacht? Mich würde interessieren, wie es dort vier Jahre später aussieht.


    Die JEL hat mir damals auch prima gefallen. Mit Sonnenschein von oben fand ich es recht beeindruckend durch die restlichen Streben zu tauchen. Viel Fisch gab's zu sehen und einiges an Löchern zum Reingucken.


    Viele Grüße,
    Maren

  • Hey Maren,
    leider hab ich von der Scylla keine Bilder nur "unprofihafte" mit ner mju500 von Olympus gefilmte "Impressoinen".
    Da ich die Digicam erst im Wrack zum filmen bekommen habe und wie oben schon geschrieben mir mein Buddy etwas die Sicht vermiest hatte,
    habe ich keine Bilder mehr gemacht.
    Leider hatte ich nach dem TG festgestellt, dass die Digicam etwas feucht innen war, so dass ich sie zur JEL dann nicht mehr mit unterwasser genommen habe.


    Ich habe bei YouTube einige Filme zur Scylla und der JEL entdeckt, jedoch kann ich mich nicht mehr ans Aufnahmedatum erinnern.


    Nächstes Jahr werde ich dann wieder in Poole/Dorset sein, und mit dem ansässigen TC versuchen das deutsche U-Boot zu erkunden. Auf jeden Fall dann aber die "Kyarra" nach 2 erfolglosen Versuchen herhalten !!!


    Servus...
    Paddy

    Gruß aus dem Großherzogtum Baden
    (z.Z. East London in South Africa)