Schwerer Kreuzer Prinz Eugen, Kwajalein Atoll, Marshall Islands

  • Text+Bild: Jan Hinrich Hoffmann
    Videostills: Matt Holly ( Mit freundlicher Genehmigung )



    Geschichte und Einzelheiten zur Technik des Schiffes:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Prinz_Eugen_%281938%29


    http://www.bismarck-class.dk/o…ships/artgermanships.html



    Marshall Islands, Inselgruppe mit zugehörigem, weltweit bekannten Bikiniatoll, ganz weit weg von überall, irgendwie irgendwo im Nirgendwo, mitten im allzeit tiefblauen Pazifik, ein paar Tausend Flugmeilen bis zum nächsten Festland in alle Himmelsrichtungen.



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    Dornier


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    Zwischenlandung auf Likiep Atoll




    Ebeye, Kwajalein Atoll, grösstes Atoll der Marshall Islands.


    Der Inselhopper, einzige Flugverbindung dorthin lsst sich auf die Runway der US-Base Kwajalein Atoll nieder, Palmen und Radardome fliegen vorbei, untermalt vom Fauchen des Umkehrschubs. Der Hüter des Weltfriedens testet hier seine ABM und SDI-Programme, Laserwaffen, die neusten Intercontinentalraketen und mehr, die Sicherheitsvorkehrungen auf dem kleinen Flughafen treiben absurde Blüten, wir pflücken unser Gepck aus der Hochsicherheitszelle, ein Polizist wacht persönlich und bringt uns zum Hafen.
    Wir haben keine "Clearance" um auf der Militrbasis übernachten zu können, das würde für deutsche Staatsbürger nach einer Interpol-Überprüfung ca. 14 Tage dauern, also gehts zur Übernachtung auf die benachbarte, ebenfalls zum Kwajalein Atoll gehörende Insel Ebeye, per übermotorisiertem (2x250PS) Wassertaxi mit selbstgezimmertem Holzaufbau.


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    The Ruler.


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    Ebeye


    Auf der zum Kwajalien Atoll gehörenden Insel Ebeye zeigen die Auswirkungen marshallesischer Versuche, westlichen Lebensstil auf die fragilen Kleinstinseln und - Atollstaaten Mikronesiens zu importieren ihre hässlichste Seite innerhalb der gesamten Inselgruppe.
    Die Marshallesen haben längst aufgehört, ihrem traditionellen Lebensalltag nachzugehen, das Fischen beinah verlernt und ernähren sich ungesund von dem was die Container aus aller Welt an Zivilisationsjunk hier anlanden, fettiger Fertigfrass nach amerikanischem Vorbild steht hoch im Kurs.
    Ebeye ist ein einziger Slum aus windschiefen Hütten und vergessenen Containern im Staub, die Lebenserwartung ist niedrig, um die 39, nahezu einziger Arbeitgeber ist die benachbarte US-Base, die Menschen mittleren Alters haben die Insel zumeist Richtung Majuro oder USA verlassen, verdeckte Lolitaprostituion für die GIs von Kwajalein, Diabetes, Typhus, Hepatitis A/B/C, Syphillis, HIV, HPV und nur ein paar Stunden fliessend Wasser am Tag.


    Tom Ralik, Besitzer des Ralikstore auf Ebeye, ein Laden für alles vermietet das kleine 5m Boot welches am nächsten Morgen früh die 4sm zur nur spärlich bewohnten, gegenüberliegenden Insel Enebuj zurücklegt, dort, auf dessem Riff und Strand ruht die Prinz Eugen, von weitem erkennen wir das Ruder und den Mittelprop der aus der Brandung ragt, wir machen das Boot im Schutz des Schiffrumpfes an der Welle des Steuerbordpropellers fest.


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    Lowtide


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    Bilgekeel






    Der Bug.


    Los gehts, nur 6m unter uns beginnt der Kiel, wir sind mittschiffs, gut zu erkennen die beiden "Bilgekeels", Hartkorallen haben sich lngst angesiedelt und betrchtliche Grösse erreicht, die Morgensonne beleuchtet Backbord, das Schiff ist nach steuerbord geneigt, wir machen uns den Kiel entlang auf den Weg zum Bug, der Rumpf verjüngt sich schlank und elegant, wie sich das eben gehoert für ein 32Knoten schnelles Kriegsschiff.


    Man schwimme etwa 20m über den Bug hinaus, drehe sich um und geniesse whrend des Abstieges auf 30m+ die imposante Ansicht des schnittigen Bugkeiles.
    Einige Minuten Zeit müssen immer drin sein dafür, diese Postkarte und anderes sind absolute Leigh Bishop sights.


    Weiter gehts unter das Vorschiff, gut 2-5m sind Platz zwischen Sandgrund und dem kaum bewachsenen Vordeck, im weiten Bogen ergiesst sich eine Ankerkette in den Sand, ein Dreierpack Zackenbarsche bewegt sich betont unaufgeregt um den gewünschten Sicherheitsabstand zum brodelnden Menschengetier zu halten, Turm A kommt ins Bild, kaum eingesunken in den Sand aber aus seiner Barbette gerutscht, wo sind die Kanonenrohre, ah stimmt, man erinnere, die sind noch vor den Atomtests ausgebaut worden.
    Nun gut, Turm B hat seine Rohre noch, sie verschwinden beinah gnzlich im Sand.
    Sofort ist klar,
    überall laden teilweise nach Versenkung geöffnete Luken und Hatches zu ausgedehnter Penetration ein, die Tauchtiefe 0-33m, 28-30 Grad Celsius Wassertemperatur und vor uns ein solch kolossaler Kriegschiffbrocken, ein absoluter, verführerisch zugänglicher Traum!


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    Mittschiffs, Brücke.


    Der Brückenturm liegt abgebrochen und gut in seinen Details wiederzuerkennen mittschiffs backbords im Sand, aufgeborstene, gepanzerter Beobachtungsposten mit grossem Binokular, dazu die Feuerleitstellen, gut erkenntlich an ihren E-messern mit grosser Optikbasis die wie Hörner aus den Panzerkuppeln ragen.
    Weiter Richtung Heck, auch backbords auf ca. 20-25m ein Dreifach-Torpedowerfer, die 10,5cm Zwillinge, auch eine 20mm Viererlafette in Bestzustand.


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    10,5cm Zwilling


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    Torpedolauncher


    Spätestens ab hier ergibt sich im Gegensatz zum aufgeräumten Antlitz des Bugs ein recht chaotisches, trümmerhaftes Bild, und doch, es gibt viel wiederzuerkennen, in einem aufgebrochenen Raum legen schienenartige Gebilde den Verdacht nahe, man befinde sich nun entweder im ehemaligen Flugzeughangar oder in einem Munitionsbunker, sicher ist jedoch das man sich nun gen Heck, kurz vor Turm C befindet.


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    Eine kurze Penetration führt durch die Offiziersmesse, gut zu erkennen an den quadratischen Tischen die nun abgeschraubt und aufgetürmt in einer Ecke des Raumes lagern.


    Der Schiffsrumpf an dieser Stelle, in gut 15m Wassertiefe vielfach geborsten, die dicken Stahlplatten gut erkennbar zu bemessen da einige Platten des Rumpfes wie Papier von einer, vermutlich von der US Navy nach Versenkung durchgeführten schweren Ubungsexpolsion wie Papier nach aussen gebogen sind.


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    Stahlplatten


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    Portside Keel Stern




    Austauchen am Heck.


    Unterm Heck des schweren Kreuzers und Schwesterschiffes der im Oslofjord versunken Blücher , Turm D begräbt die Rohre von C unter sich im Sand, auch hier wie zuvor an den Türmen unterm Bug, die Hauptwaffen allesamt aus ihren Kränzen in den Sand gerutscht.


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    Turm D


    Die Korrosion nagt schwer am heckseitigen Kielbereich des Schiffes welches der Brandung und den Gezeiten ausgesetzt ist, bei Niedrigwasser ragen die Mittelschraube und das Ruderblatt aus der Brandung empor, gut sichtbar auch die nackte Welle des Backbordprops, der in den Siebzigern abgenommen und nach Laboe verbracht wurde.


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    Steuerbord Propeller


    Die Mittelschraube lädt ein, für die Tauchpause den glitschigen, mittleren Wellentunnel zu erklimmen, die Krabben stieben auseinander, ein Propellerblatt bietet sich als bequeme Rückenlehne zum Lunchbreak an :-D


    Ganz grosses Wracktaucherfetischkino.




    Matt Holly, the man.


    Trotz der flachen Tiefe ein gut erhaltenes, imposantes, vielfältiges Tauchziel.
    Das Wrack ist von tauchenden amerkianischen GIs sorgfältig abgegrast, als komplett erhaltenes WWII-Schiff in solch zugänglicher Wassertiefe jedoch ein wahrer Wonnebrocken für den Altmetallfan mit visuellen Neigungen.


    Die Reise dorthin birgt ein Erlebnis abseits der ausgetretenen Touristenpfade, der Reisende sollte keine Berührungsängste mit den Lebensumständen der Dritten Welt haben.


    Tauchgenehmigungen sind nach einigen Toten durch unfachgerechte Penetration am besten mit lokal fachkundigem Beistand zu beantragen, für ausgedehntere Exkursionen im Rumpf sollte Ausrüstung für die Erstellung von Stagekits mitgebracht werden, es gibt keine Doppelgeräte auf Ebeye, lediglich einen Kompressor und ein paar 80cuft Tanks.
    Wärmstens zu empfehlen für diese Tauchtour der etwas anderen Art ist der seit 28Jahren auf dem Hauptatoll Majuro ansässige Amerikaner, Hobbyhistoriker und Berufstaucher Matt Holly, auch nach Jahrzehnten der Taucherei an der Prinz Eugen kann er sich wie am ersten Tag für dieses Schiff begeistern und ist ein ebenso amüsanter wie eloquenter Gesprächspartner.


    Mit Verhandlungsgeschick lassen sich Matt auch andere Tauchgänge zu kaum bis gar nicht betauchten Flugzeugwracks und anderen Schiffwracks aus der Nase ziehen und so eine komplette, vielfältige Tauchtour zusammenstellen die so bisher in keinem der vielen Tauchforen beschrieben sein dürfte.


    Man sei sich sicher, dies ist nicht das vielbetauchte Bikini oder Chuuk ( Truk Lagoon ), Kwajalein ist kaum betauchter aber ebenso WWII-wichtiger Wrackschauplatz, somit ein Geheimtipp unter den Top-Destinationen, das Qualitätsmerkmal ergibt sich durch die nicht vorhandene Infrastruktur, auch ein Matt Holly macht dies nur zum Freizeitvergnügen.


    Matt ist ein wandelndes Geschichtsbuch der pazifischen Militärgeschichte, er selbst hat sich als Entdecker vieler Fluzeugwracks im Raum der Marshall Islands einen Ruf als Wreckhunter erworben.



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  • Boooooaaaah!


    Danke, Hoffi!!!!


    LG,
    Derk

    "You'd better not kick a tiger in the ass unless you have a plan for dealing with his teeth" (Brian Caruso)

  • Uiiii, ein Hoch auf den Koch! :kniefall:


    Und mit den Bildern hat's auch noch geklappt. Allerbest! =)
    Ganz doll Danke für ein paar Minuten visuelle und gedankliche Entführung auf die andere Seite des Erdballs.


    Hier ein Bild der angesprochenen linken Schiffsschraube in Laboe:
    [Blocked Image: http://upload.wikimedia.org/wi…sschraube_Prinz_Eugen.jpg]
    Dieses Bild basiert auf dem Bild Schiffsschraube Prinz Eugen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Dubidub.


    Das kann nicht so ganz unaufwendig gewesen sein, das Teil bis in die Kieler Förde zu bringen...

  • Quote

    Original von Stefus
    Jo mei...prächtisch, prächtisch und a bisserl´ Neidisch bin isch dann aber auch schon... :,-(


    Hi Stefus,


    willkommen an Bord :D


    :shark: Erster, Erster, ... :prosecco: :essen: :cool2:


    Olaf

  • Willkommen Mr. Ipsen, servus Stefus :-D


    ...allseits danke für die Lobhudelei :O



    Nachtrag bzgl. Thema Radioaktivität:


    UNBEDENKLICH! .... Bikini, zu Land zu Wasser, alle Wracks, das Atoll, ebenso die Prinz Eugen, deren Backbordseite war den Tests Able und Baker zugewandt, für Baker war sie wohl ca.1800m von ground Zero plaziert.


    Natürlich fand die Hauptverstrahlung von oben statt, durch den Niedergang der der radioaktiven Staubwolke.


    Der werte Kollege Strahlenexperte vom Zentrum für Strahlenschutz und Radioökologie an der Uni Hannover hat nur vereinzelt an einem alten japanischen Gedenkstein und ein paar alten Grabsteinen leicht erhöhte Werte gefunden...auch ein paar Kokosnüsse aus dem Landesinnern des ca. 800m breiten Haupteiland zeigten leicht erhöhte Werte,
    alles jedoch im Vergleich zu dem was dort passiert sehr niedrig.


    Die Strahlendosis der wir alleine auf dem langen Atlantikflug Frankfurt-Los Angeles (11h Flugdauer für dieses Teilstück ) ausgesetzt waren entspricht in etwa 11Tagen Aufenthalt auf Bikini.


    Die tägliche Strahlendosis in Hannover ist 1,5 fach höher als auf Bikini.


    Insofern stimmt das was das DOE ( Department of energy der USA ) zu Bikini veröffentlicht recht gut.


    Dass das Bikiniatoll nach wie vor nur von den Tauchbasisleuten bewohnt wird ist im wesentlichen ein Politikum, es geht immer noch um weitere Prozesse bzgl. Entschädigungszahlungen an die Bikinianer.




    http://www.bikiniatoll.com/



    Quickndirty Bericht zu Bikini:



    Bikini